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Am 03.01.2018 trat die EU-Richtlinie MiFID II – die Überarbeitung der 2007 verabschiedeten Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente – in Kraft. Dieses riesige Regelwerk umfasst mehr als 10.000 Seiten und soll Anleger besser schützen. Doch sind damit auch mehr Bürokratie und höhere Kosten für Finanzinstitute verbunden. In meinem Blog-Beitrag zeige ich euch, was genau auf Banken und Finanzinstitute zukommen wird.

Hohe Kosten und immer noch kein Ende

Laut der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA sind marktweit bei der Einführung der MiFID II keine größeren Fehlfunktionen aufgetreten. MiFID II − kurz für Markets in Financial Instruments Directive – kann als Ergebnis der Finanzkrise betrachtet werden. Bei dieser Richtlinie handelt es sich um ein sehr komplexes und umfassendes Regelwerk, das Anleger und Sparer in der EU besser schützen und für mehr Transparenz auf den Finanzmärkten sorgen soll.

Ihr könnt allerdings davon ausgehen, dass diese Richtlinie den bürokratischen Aufwand drastisch erhöhen wird. Die zahlreichen Informationen, die dem Anleger in Zukunft zur Verfügung gestellt werden müssen sowie die Fülle an neuen Richtlinien für Banken, führen in vielerlei Hinsicht zur Verwirrung der Anleger.

Der Bundesverband privater Banken rechnet mit einmaligen Kosten von bis zu einer Milliarde Euro, die durch die Umsetzung der Richtlinie MiFID II auf deutsche Banken zukommen. Ihr fragt euch, wieso dieses Vorhaben so viel Geld verschlingt? Ich verrate es euch: Ein wesentlicher Kostenfaktor ist die Technik zur telefonischen Aufzeichnung von Kundengesprächen. Diese muss in jeder Filiale vorhanden sein. Zudem muss die Archivierung des Datenmaterials sichergestellt werden. Daneben müssen diverse IT-Verfahren und Schnittstellen angepasst, erweitert, hinzugefügt oder vollständig neu entwickelt und implementiert werden. Wie ihr seht, ergibt sich in diesem Kontext eine Menge Handlungsbedarf für Banken.

Mit Beginn des Jahres war der Prozess der Umstellung allerdings nicht für alle Banken vollständig abgeschlossen. Manche Institute arbeiten seit der Umsetzung der neuen Richtlinie noch mit manuellen und provisorischen Lösungen. Das hat zur Folge, dass die betroffenen Banken ihre bisherigen Prozesse noch in diesem Jahr auflösen und strategische sowie automatisierte Lösungen nachziehen müssen. Der Umsetzungsprozess wird sich allerdings noch verlängern, denn die Gesetzgebung ist in machen Fragestellungen noch nicht abgeschlossen. Das führt, neben vielen Unklarheiten bei der Planung zur technischen Umsetzungen, zwangsläufig zu einer Verzögerung in der Fertigstellung.

Bepreisung von Research

Wie ihr sicherlich gehört habt, hat die künftige Finanzierung von Research-Leistungen − damit meine ich beispielsweise Analystenberichte, One-on-ones oder Veranstaltungen − im Zusammenhang mit MiFID II große Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Die EU-Richtlinie schreibt nämlich vor, dass die Kosten für Wertpapierdienstleistungen in die Faktoren „Research“ und „Execution“ separiert werden müssen, um den Charakter der Zuwendung auszuschließen.

Einige Anbieter haben zunächst Preise im sechsstelligen Bereich für ihre Research-Berichte gefordert. Wie ihr euch denken könnt, stehen den klassischen Abnehmern des Researches – also Vermögensverwaltern und Pensionskassen − nicht die entsprechenden Budgets zur Verfügung.

Kurz vor der Einführung von MiFID II haben viele Banken ihre Preisvorstellungen auf nicht kostendeckende Niveaus reduziert. Mittelgroße Asset-Manager bauten teilweise selbst wieder Research-Teams mit dem Ziel auf, Research-Kapazitäten und -Expertisen als Differenzierungsfaktoren proaktiv zu vermarkten. Manche kleineren Finanzdienstleister neigten indessen dazu, selektiv das Research der Banken oder von Drittanbietern zu abonnieren. Wie ihr seht, hat die Richtlinie für viel Bewegung gesorgt. Der Entscheidungsprozess ist aber noch keineswegs abgeschlossen – zumal Erfahrungswerte fehlen. Manche Asset-Manager warten noch ab, welche Research-Leistungen ihnen von welchen Research-Gebern überhaupt noch zugeschickt werden und ob diese Leistungen auch einen entsprechenden Mehrwert bieten. Der Versand von zahlungspflichtigen Researches erfolgt an zahlende Kunden nur noch über eine genaue Selektion.

ETF-Anbieter profitieren

Wie ihr bisher erkennen konntet, durchläuft die Finanzbranche mit MiFID II einen Strukturwandel. Das Regelwerk bringt umfangreiche Änderungen hinsichtlich der Ausgestaltung und des Verkaufs von Anlageprodukten mit sich. Durch die gesteigerte Transparenz − hinsichtlich Kosten und einfacherer Vergleichbarkeit von Produkten − wird sich der Wettbewerb um bessere Konditionen in der Finanzbranche verschärfen. Diese zusätzliche Transparenz sowie das Provisionsverbot für unabhängige Finanzberater werden zur verstärkten Nutzung von kostengünstigen Indexfonds führen.

Das Ganze wird sich, aller Wahrscheinlichkeit nach, positiv auf das Wachstum zugelassener Fonds (ETF) auswirken. Durch die Berichtspflichten für ETF-Transaktionen werden zudem mehr Informationen über ETF-Handelsvolumina und die Liquidität in diesem Segment verfügbar sein. Dies dürfte dann zu einer stärkeren Verbreitung von ETFs bei institutionellen Anlegern führen.

Unsere Erfahrungen

Die Herausforderung für Banken besteht nun in der Übersetzung der Anforderungen dieses riesigen Regelwerks in umsetzbare Funktionalitäten. Die sehr volatile Gesetzeslage führt zu vielschichtigen und verzweigten Anforderungen, die eine hohe Komplexität mit sich bringen. Ich spreche hier aus eigener Erfahrung, denn seit mehr als zwei Jahren unterstützt adesso Groß- und Privatbanken bei der Umsetzung ihrer MiFID II-Projekte. Solche Projekte nehmen wesentliche Teile der Organisation eines Finanzdienstleisters in Anspruch - etwa Zentralfunktionen wie Compliance und Recht, verschiedene Fachbereiche und die IT. Den meisten Instituten fällt dabei auf, dass die vom Gesetzgeber verlangten Anforderungen nicht ohne weiteres umzusetzen sind.

Fazit

Die über Jahre gewachsenen, heterogenen Landschaften können nicht immer ohne Weiteres zusammengeführt werden. Laut Aufsichtsbehörde ist die gesamte Historie des Geschäftskontaktes und der Geschäfte sowie der damit verbundenen Telefonate – also Weisungen für Transaktionen – in einer Beweiskette vorzuhalten. Das stellt Banken jedoch bei der Realisierung dieser Anforderung vor enorme Herausforderungen. Vor allem kleinere Banken antworten nicht selten mit manuellen Prozessen, die fehleranfällig und aufwändig sind, denn für eine adäquate Infrastruktur müssen sie höhere Summen investieren.

Ihr interessiert euch für weitere Themen rund um den Banking-Bereich? Dann werft doch einen Blick in die bisher erschienenen Beiträge.

Bild Hauke Kröger

Autor Hauke Kröger

Hauke Kröger ist Competence Center Leiter Business Consulting für Banken bei adesso. Der studierte Diplom-Ingenieur beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren mit strategischen Lösungen für Finanzdienstleister. Seine Wissens- und Verantwortungsschwerpunkte sind insbesondere die Einführung von Kernbanksystemen und Regulatorik.

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