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Menschen von oben fotografiert, die an einem Tisch sitzen.

Es geht um mehr als nur die richtigen Ausgangsstoffe im digitalen Labor

In meiner mehr als zehnjährigen Tätigkeit in der Technologiebranche habe ich in der Zusammenarbeit mit Kunden, Technologiepartnern und Partnern erfahren dürfen, dass neben der Technologie auch Innovationen und Wertschöpfung weitere wichtige Faktoren sind. Meine wissenschaftliche Laufbahn als Chemikerin prägt mich allerdings immer noch und so möchte ich zu einem gedanklichen Vergleich anregen. Stellen wir uns das Unternehmen als eine Art digitales Labor vor: Die erfolgreiche Herstellung eines Endproduktes hängt von den Ausgangsstoffen, Katalysatoren und den Reaktionsbedingungen ab und nicht zu vernachlässigen auch von der Handfertigkeit des Chemikers. Zum einen ist die passende Technologieauswahl, um Wertschöpfung und Innovation zu generieren, eine wesentliche Komponente, sozusagen Ausgangsstoff und Katalysator für das digitale Produkt. Ebenso entscheidend sind allerdings auch die richtigen Reaktionsbedingungen, welche definieren, ob überhaupt und wenn ja in welcher Geschwindigkeit und mit welchem Ertrag das digitale Endprodukt entsteht – in unserem Vergleich die Unternehmenskultur und die Rahmenbedingungen.

Sprechen wir von der Demokratisierung der IT, sollten wir also sowohl die technologischen als auch die kulturellen Aspekte betrachten.

Fokus auf Ausgangsstoffe und Katalysatoren – Paradigmenwechsel in der Technologie

Treiber Internet, Portale und Cloud

Während man am Anfang der 90er-Jahre noch Programmierkenntnisse für das Aufsetzen eines Webservers oder einer Internetseite benötigte, kann heute jeder innerhalb eines Tages einen Webshop erstellen und die eigenen Produkte oder Dienstleistungen einem weltweiten Markt zur Verfügung stellen. Im Privatleben ist Amazon unser Kaufhaus, Spotify unser Plattenladen und Netflix unsere Videothek. Die Etablierung des Internets und Verfügbarkeit von Portalen als Motor für die Schaffung von neuen Geschäftsmodellen sind die Voraussetzungen, dass auch Laien sehr einfach, schnell und kostengünstig im Web aktiv werden und ihre individuellen (Geschäfts-)Ideen realisieren können.

Gerade kleine und mittlere Unternehmen (KMU) können von Cloud Computing profitieren. Heute haben KMUs kostengünstigen Zugang zu den fortschrittlichsten Technologien wie maschinellem Lernen und die Möglichkeit, Ressourcen zu skalieren. Anstatt teure Infrastruktur aufzubauen, werden Speicherkapazitäten und Anwendungen „gemietet“. Früher war dies nur großen Unternehmen vorbehalten, die dementsprechend große Rechenzentren verwalten und Spezialisten-Teams beschäftigen konnten.

Digitale Plattformen und Citizenship

Durch digitale Plattformen, die zentral durch die IT bereitgestellt werden, – vergleichbar mit Plattformen im privaten Kontext wie Facebook & Co – geht der Trend zur "Citizenship" des Anwendenden hervor. Citizenship ist die Befähigung der Unternehmensanwendenden, über die neuen und intuitiv bedienbaren Plattformen selbstständig eigene Anwendungsfälle umzusetzen. Wer eine Idee hat, bekommt die Möglichkeit, diese schnell und zielgerichtet zu erproben und im Team zu diskutieren. Die Hürde, innovative Ideen zu erproben und umzusetzen, wird aufgehoben und die Einschränkungen durch fehlendes technologisches Wissen reduziert.

Eine vergleichbare Entwicklung für die digitale Transformation wird durch die Anwendung von Enterprise-IT erkennbar. Die technologischen „Ausgangsstoffe“ hierfür wären zum Beispiel die Applikationsentwicklung mit Low-Code-Plattformen oder AI-"Demokratisierung" mithilfe von Machine Learning. Diese Technologien werden die bisherigen Wertschöpfungsketten der IT neu definieren, aber auch Veränderungen in Organisationen, Prozessen und innerhalb des Mindsets erfordern.

Rethink Portfolio Management

Kennt ihr das, wenn ihr über traditionelle PowerPoint-Entscheidungsfolien versuchen möchtet, den Mehrwert zu vermitteln und auf einer abstrakten Ebene das Management zu einer Entscheidung zu bringen? Oder wenn in den Geschäftseinheiten mit hohem Aufwand und Ressourcen Spezifikationen geschrieben werden, die Anforderungen dann von den IT-Fachleuten in IT-Lösungen übersetzt werden, um dann einen PoC (Proof of Concept) zu realisieren?

Durch moderne und digitale Plattformen verändern sich die Prozesse und Schnittstellen zwischen Geschäft und IT: Die IT bereitet dabei die technologische Basis in Form von Plattformen und Community-Management vor. Die User bringen ihre Ideen ein und stellen Inhalte sowie Domänen-Know-how in Form von Apps bereit. Gemischte Teams können mithilfe einer Low-Code-Plattform innerhalb von wenigen Tagen MVPs (Minimum Viable Products) erstellen. Sprints werden dabei von zwei Wochen auf wenige Tage verkürzt. Die zur Verfügung gestellten Plattformen bringen bereits grundlegende Funktionen – etwa Cybersecurity und/oder saubere Schnittstellen – mit. Business Cases können so direkt im jeweiligen Geschäftskontext erprobt werden und das Management kann auf dieser Grundlage den Ansatz und Business Value sofort nachvollziehen, die Wertstiftung einschätzen und das benötigte Budget sowie Ressourcen für die Weiterentwicklung freigeben.

Das IT-Team kommt dann wieder ins Spiel, wenn das MVP weiter skaliert und in einen regelgerechten Geschäftsbetrieb überführt werden soll, Back-Office-Systeme eingebunden werden müssen oder noch komplexere Anforderungen vorliegen.

Fokus Reaktionsbedingungen – Kultur und Mindset

Perspektiven, Weiterentwicklungsmöglichkeiten und Sinnhaftigkeit statt Karriere oder Gehaltserhöhung

Indeed hat im Jahr 2020 Beschäftigte in Deutschland zu Faktoren befragt, die im Kontext ihrer Arbeit eine wichtige Rolle spielen. Ein zentrales Ergebnis der Studie zeigt, dass Mitarbeitende nicht für etwas arbeiten wollen, das sie nicht lieben. Der Spaß an der Arbeit (90 %) ist den Beschäftigten in Deutschland sogar wichtiger als mehr Gehalt zu bekommen. Zwei Drittel (64 %) sehnen sich nach einem Arbeitsplatz, der Raum für eigene Ziele, Selbstverwirklichung und Weiterbildungsmöglichkeiten gibt. „Karriere machen“, wird vor allem als individuelle berufliche Entwicklung verstanden, bei der man regelmäßig neues Wissen beziehungsweise Qualifikationen erwirbt. In diesem Zusammenhang gewinnen die Gestaltungsmöglichkeiten und Mitwirkung im Unternehmen nicht nur im Rahmen der Digitalisierung zunehmend an Bedeutung.

Eine Mitgestaltung ist nur möglich in einer Unternehmenskultur, die Neugier und Mut fördert, eine positive Fehlerkultur lebt und damit die Möglichkeit bietet, auch Experimente zu wagen, statt vor dem Gedanken des Scheiterns zu kapitulieren. Intrinsische Motivation in Kombination mit technologischen Möglichkeiten sind der Katalysator für neue (Geschäfts-)Ideen, Innovation und Wertschöpfung.

Die Demokratisierung der IT-Technologie eröffnet die Chance, genau diesem Bedürfnis der Mitarbeitenden nach Mitgestaltung und individueller Weiterentwicklung Raum zu geben.

TeamUp Business – IT

Schnell Ergebnisse zu sehen, macht Spaß, motiviert und setzt jede Menge kreative Energie frei. Mit zunehmender Erfahrung der Business-Kolleginnen und Kollegen im Umgang mit der Low-Code-Plattform entstehen immer öfter MVPs – auch ganz ohne Zutun der IT. Eine vergleichbare Entwicklung findet auch im KI- und Machine-Learning-Bereich statt. Wer bisher eine Idee für eine Machine-Learning-Anwendung hatte und erproben wollte, musste sich einen der sehr gefragten Data Scientists erkämpfen, eine entsprechende Infrastruktur aufbauen und die Datenintegration sicherstellen. Also ein zeitaufwendiges und mitunter auch nervenaufreibendes Unterfangen, bei dem Innovation beziehungsweise die Wertschöpfung teilweise auf der Strecke bleiben.

Prinzipiell sollte jeder Mitarbeitende über ein grundlegendes Verständnis und Zugang zu modernen Technologien verfügen, um die initialen Hemmschwellen auf ein Minimum zu reduzieren. Wirklich neuartige Ideen werden nur aus einem Umfeld von hoher Diversität und in einem gewissen spielerischen Umgang mit der Perspektive auf das eigene Geschäft entstehen.

In der Kooperation mit den Fachbereichen bleibt die Rolle der IT zentral, denn IT-Fachleute stellen den Fachbereichen die digitalen Plattformen, „Ready-to-Use“ Design-Templates, Konnektoren oder App-Erstellungsassistenten bereit und koordinieren die Zusammenarbeit mit den entsprechenden Teams. Deshalb liegt die schlussendliche Verantwortung für die Erstellung, Weiterentwicklung und produktive Bereitstellung der digitalen Lösungen in Form von Enterprise Apps (Applikationen) weiterhin bei der IT-Abteilung. IT kann somit vom Kostenverursacher zum Enabler für Wertschöpfung werden.

Fazit

IT und Business bilden ein gemeinsames Wertschöpfungssystem, in dem sich durch die Demokratisierung der Technologie die Verantwortungsbereiche verschieben und sich neue Prozesse und Organisationsstrukturen ausbilden. Gleichzeitig bietet sich die Chance für eine neue Zusammenarbeitskultur. Wenn dann, wie in unserem Gleichnis des digitalen Labors, alle Komponenten wie Edukte, Katalysatoren und Reaktionsbedingungen aufeinander abgestimmt sind und der Laborant frei ist in der Ideenentwicklung, dann wird die Reaktion mit dem gewünschten Erfolg verlaufen – so wie der digitale Wandel im Unternehmen.

Bild Manuela Schwarze

Autorin Dr. Manuela Schwarze

Manuela Schwarze ist Business Development Managerin im Microsoft-Bereich bei adesso.

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