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Menschen von oben fotografiert, die an einem Tisch sitzen.

Im ersten Teil dieses Blog-Beitrags wurde die Bedeutung der BIM-Methodik für zukünftige Bauvorhaben sowie die grundlegenden Aspekte von BIM erläutert. Dabei wurde dargestellt, dass öffentliche Auftraggeber, insbesondere das Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur (BMVI), eine Schlüsselrolle bei der Förderung und Forderung von BIM in Deutschland einnehmen. Die planen bauen 4.0 GmbH mit Sitz in Berlin ist mit der Gründung des „Nationalen BIM-Kompetenzzentrums des Bundes“ beauftragt.

adesso arbeitet aktuell mit planen bauen 4.0 in drei Projekten zusammen, die im BIM-Universum angesiedelt sind und deren Ziele nachfolgend kurz dargestellt werden.

BIMSWARM (Forschungsprojekt)

Das zentrale Ziel von BIM ist die Sicherstellung eines einheitlichen Informationsstandes für alle an einem Bauvorhaben beteiligten Unternehmen. Informationslücken und Fehlinformationen, die schnell zu kostspieligen Baumängeln führen, sollen so vermieden werden. Die Unternehmen sind angehalten, Softwaresysteme einzusetzen, die gemäß BIM den Datenaustausch auf der Basis offener Datenformate über System- und Herstellergrenzen hinweg unterstützen.

Genau dies sind auch die Ziele der BIMSWARM-Plattform. Sie ist einerseits Informationsportal und Marktplatz für BIM-geeignete Bau-Software, andererseits aber auch Integrationsplattform, die das Zusammenschalten von Softwarelösungen zu baufachlichen Teilprozessen ermöglicht.

Bauunternehmen finden auf BIMSWARM nach BIM zertifizierte Softwarelösungen für ihren Arbeitsbereich. Die an einem Bauvorhaben beteiligten Unternehmen können ihre Anwendungen im Sinne eines übergeordneten BIM-Prozesses auf BIMSWARM verlinken, sodass die Ergebnisse der einen Anwendung der folgenden Anwendung automatisch zur Verfügung gestellt werden und von dieser weiterverarbeitet werden können.

Die BIMSWARM-Plattform sorgt für den reibungslosen Austausch von Daten und Modellinformationen zwischen den verlinkten Anwendungen, ohne störende Systemgrenzen oder Firewalls. Miteinander verlinkte Softwareprodukte bezeichnet BIMSWARM als Toolchain. Diese werden mit Hilfe des BIMSWARM-Composers zusammengestellt und den beteiligten Partnern zur Verfügung gestellt. Produkte, die zu einer Toolchain gehören, können direkt auf der BIMSWARM-Plattform ohne zusätzlichen Login genutzt werden (Single-Sign-On). Für die Speicherung und den Austausch von Daten innerhalb einer Toolchain verfügt BIMSWARM über ein integriertes Common-Data-Environment (CDE).

BIMSWARM wurde 2019 als Forschungsprojekt unter Führung der planen bauen 4.0 GmbH ins Leben gerufen. adesso ist innerhalb des Projektkonsortiums für die Entwicklung der BIMSWARM-Plattform verantwortlich. Die Ruhr-Universität Bochum stellt unter Leitung von Prof. Markus König ihre BIM-Expertise zur Verfügung. Weitere Konsortialpartner vertreten das integrierte Common-Data-Environment sowie bauspezifische Software-Produkte.

Das Forschungsprojekt wird im September 2021 abgeschlossen. Aktuell nehmen Digitalisierungstrends zu und die Bedeutung der BIM-Methodik im Bauwesen wächst rasant. Daher sieht planen bauen 4.0 als Betreiber des Nationalen BIM-Kompetenzzentrums des Bundes hervorragende Marktchancen für die Einführung einer herstellerneutralen Plattform zur Vermarktung und Integration BIM-geeigneter Softwaresysteme. Der Markteintritt sollte aus Sicht von planen bauen 4.0 daher auch bereits in 2021 erfolgen.

BIMcontracts (Forschungsprojekt)

Obwohl 5D-Modelle gemäß BIM alle relevanten Informationen für die Abrechnung von Teilleistungen beinhalten, erfolgt der Fertigmeldungs- und Abrechnungsprozess in aller Regel nicht automatisiert. Dies führt immer wieder zu erheblichen Zeitverzögerungen zwischen der Leistungserbringung und deren vertraglich vereinbarter Bezahlung. Gerade bei mittelständischen Unternehmen, die das Rückgrat der deutschen Bauindustrie darstellen, kann dies zu schwerwiegenden Liquiditätsproblemen bis hin zur Insolvenz führen.

Genau hier setzt BIMcontracts an. In BIMcontracts wird für jede vertraglich vereinbarte Abrechnungseinheit ein sogenannter Smart-Contract angelegt. Dieser ist mit dem BIM-Modell verknüpft und dort mit den entsprechenden Positionen im Leistungsverzeichnis. Im Smart-Contract sind klare Regeln für die Erfüllung der vertraglichen Leistungen hinterlegt, die den Workflow bis zur Bezahlung der erbrachten Leistung steuern. Die Fertigmeldung einer Abrechnungseinheit, deren Überprüfung und Abnahme durch den Auftraggeber sowie deren Bezahlung erfolgen auf dieser Basis zeitnah und effektiv als digital gesteuerter teilautomatisierter Prozess. Die entsprechenden Transaktionen verwaltet das BIMcontracts-System transparent und revisionssicher in einer Blockchain.

Das Forschungsprojekt BIMcontracts wird von adesso als Konsortialführer geleitet. Als weitere Partner sind hier – wie auch bei BIMSWARM – die Ruhr-Universität Bochum mit Prof. Markus König sowie die planen bauen 4.0 GmbH im Konsortium vertreten. Das Dortmunder Bauunternehmen FREUNDLIEB bringt ihre baufachliche Sicht in das Projekt ein. Die Rechtsanwaltskanzlei Kapellmann ist im Konsortium für die rechtlichen Aspekte der digitalen Abrechnung zuständig. Last but not least bringt der Lehrstuhl von Prof Dr. Volker Gruhn an der Universität Duisburg-Essen seine Kompetenzen in den Bereichen Blockchain und Digitalisierung ein.

adesso entwickelt den Prototyp des BIMcontracts-Systems, den sogenannten Demonstrator. Die baufachlich orientierten Partner im Konsortium bewerten die Marktchancen einer solchen Lösung aktuell sehr gut. Einige Partner haben daher die klare Zielsetzung, zeitnah nach dem Ende des Forschungsprojekts die BIMcontracts-Lösung in den Markt zu bringen.

BIM-Portal

Das BIM-Portal soll zukünftig die zentrale Plattform für BIM-konforme fachliche Ausschreibungen von Bauleistungen durch öffentliche Auftraggeber sein. Die Auftraggeber veröffentlichen über das BIM-Portal zunächst ihre Anforderungen an das Bauvorhaben sowie ihre Vorgaben zur Baudurchführung in Form von Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA). Aktuell wird dazu im Rahmen des Projekts ein formaler Standard für AIA definiert, der zukünftig allen öffentlichen Ausschreibungen zugrunde liegen soll.

Bei der Definition der AIA bedienen sich die Auftraggeber spezifischer baufachlicher Merkmale und standardisierter Bauelemente. Die Verwaltung baufachlicher Merkmale, aber auch die Definition neuer und die Anpassung bestehender Merkmale erfolgt über einen klar definierten Prozess im BIM-Portal. Das BIM-Portal verfügt dadurch über eine sich ständig weiterentwickelnde Datenbasis für Merkmale, die zu einem de-facto-Standard für Merkmale von Bauelementen in Deutschland werden soll.

Schließlich soll das BIM-Portal überprüfen können, inwieweit die von Anbietern eingereichten Baumodelle den Vorgaben in den AIA entsprechen. Das BIM-Portal bietet dazu spezielle Prüfwerkzeuge an, die eine solche Prüfung automatisiert auf Basis digitaler Daten ermöglichen.

Ausblick

Aktuell befindet sich die deutsche Bauindustrie in einem Wandel hin zu digitalen Planungs- und Steuerungsprozessen im Sinne von BIM. Die Bau-Branche hat erheblichen Bedarf an der Entwicklung digitaler Prozesse und Lösungen. Für adesso mit seiner Digitalisierungskompetenz, seinen aktuellen BIM-Projekten und als mittlerweile etablierter Partner von planen bauen 4.0 bieten sich dadurch gute Chancen, sich die Bau-Branche zu erschließen. Ein erster Erfolg in dieser Hinsicht war der Auftrag der FeuerTrutz Network GmbH für adesso, eine Softwarelösung für die digitale Erstellung von Brandschutzkonzepten für Bauvorhaben zu entwickeln.

Bild Uwe Lutter

Autor Uwe Lutter

Uwe Lutter ist Competence Center Leiter bei adesso in Hamburg. Er hat langjährige Erfahrungen in der Softwareentwicklung und beschäftigt sich seit einiger Zeit im Rahmen von Softwareentwicklungsprojekten mit der BIM-Thematik.

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