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Payment wird immer wichtiger

Angefangen mit diversen E-Wallet-Anbietern, die mobiles Zahlen entweder direkt ermöglichen oder auf dem Desktop bequemeres Bezahlen versprechen, bis hin zu weiteren (meist rechtlichen) Anforderungen an klassische Zahlungsarten wie zum Beispiel Kreditkartenzahlungen: der Markt steht nicht still. In diesem Kontext müssen sich gerade international agierende Anbieter um einen regelrechten „Zoo“ an unterschiedlichen Zahlungsarten kümmern. Denn das, was Kundinnen und Kunden in Deutschland gewohnt sind, kennen Verbraucherinnen und Verbraucher in Übersee oder Asien gar nicht oder bringen sogar ihre „eigenen“ Bezahlsysteme mit. Aber auch das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange, denn es warten täglich neue Herausforderungen auf die verschiedenen Anbieter. Diese könnten zum Beispiel darin bestehen, Abo-Modelle mit monatlichen Mietbeträgen abzurechnen oder gar eine verbrauchsabhängige Bezahlung ihrer Dienstleistungen anzubieten – über das übliche Postpaid-Modell per Rechnung oder Bankeinzug hinaus. An dieser Stelle dürft ihr nicht vergessen: Stornierungen entsprechend des Telemediengesetzes oder weitere wichtige Bedingungen rund um Bezahlung, Rückerstattung oder Finanzierung müssen auch noch beachtet werden.

Was bedeutet Payment?

Zunächst einmal bedeutet Payment, dass Anbieter von Waren und Dienstleistungen für die Lieferung beziehungsweise ihre Leistung bezahlt werden. Gerade für Online-Shops oder E-Business-Plattformen gelten hier besondere Anforderungen und Regeln. Viele Businessmodelle beinhalten explizite Treuhandkonten, die man über einen Payment-Service-Provider (PSP) direkt einrichten und abwickeln kann. Mit anderen Worten: Kundinnen und Kunden möchten also möglichst einfach und schnell Zahlungen tätigen, der Anbieter hingegen möglichst sicher und bequem die Zahlung erhalten.

Mit nur einer Zahlungsart ist es leider nicht getan. Anbieter von Online-Plattformen müssen ihren Kundinnen und Kunden die Zahlungsmöglichkeiten bieten, die diese gewohnt sind, um keine Kaufabbrüche zu riskieren. Da sich aber kein Anbieter um alle verschiedenen Zahlungsmöglichkeiten persönlich kümmern kann - der Aufwand, um diese ausnahmslos selbst zu integrieren wäre sehr hoch - kommen Payment-Service-Provider ins Spiel. Diese bündeln in der Regel viele Zahlungsarten und übernehmen das Handling zwischen Anbietern und Banken, Kreditkarten-Akquisiteuren oder anderen Zahlungsanbietern. Dadurch verringert sich der Integrationsaufwand für den einzelnen Anbieter erheblich. Fast alle PSP bieten dabei diverse Reporting-Funktionen sowie Risiko- und Betrugsprüfungen im Paket an. Viele Provider gehen sogar einen Schritt weiter und bieten darüber hinausgehende Dienste an. Diese reichen von Verwaltungsdiensten über komplette Zahlungsabwicklungen bis hin zur Forderungsverwaltung oder sogar zur Übernahme des Inkassos bei ausstehenden Zahlungen.

Der jeweilige Anbieter muss also nicht nur klären, welche Zahlungsarten er überhaupt anbieten möchte, sondern auch, wie viel organisatorischen Aufwand er selbst übernehmen oder direkt outsourcen möchte.

Wie integriert sich Payment?

Die Payment-Service-Provider klemmen sich praktisch zwischen den Online-Shop und den vom Endkunden gewünschten Zahlungsanbieter. In Deutschland sind das die klassischen Zahlungsmethoden wie Kauf auf Rechnung, Vorkasse oder Kreditkartenzahlung. Aber auch PayPal, Paydirekt sowie Giropay oder international Alipay, WeChat und andere regionale Anbieter zählen dazu. Für jede Zahlungsart sind jeweils unterschiedliche Voraussetzungen zu beachten, wenn ein Anbieter diese direkt selbst integrieren möchte. Sie reichen von entsprechenden Schnittstelleneinrichtungen bis hin zu umfangreichen Sicherheitsanforderungen bei der Speicherung persönlicher Daten. Ein PSP verringert diese Anforderungen enorm und bietet entsprechende Erleichterungen, gerade bei sicherheitsaufwendigen Zahlungsarten, wozu unter anderem Kreditkarteninformationen gehören.

Für Standardsoftware - etwa SAP Commerce Cloud oder commercetools - bieten fast alle Payment-Service-Provider bereits Standardbausteine an, die eine Integration nochmals vereinfachen. Das bedeutet: Mit Inanspruchnahme dieser Bausteine ist bereits die technische Basis einer Integration vorhanden. Diese kann dann konfiguriert und an die individuellen Geschäftsprozesse der einzelnen Anbieter angepasst werden.

Wie sollte eine Payment-Integration durchgeführt werden?

Sofern ein Anbieter noch keine wirklich konkrete Vorstellung hat oder seine bestehenden Vorgaben prüfen möchte, sind im Vorfeld folgende Fragen zu klären:

  • Welche Zahlungsarten erwarten Kundinnen und Kunden?
  • Mit welchen Kosten sind diese Zahlungsarten verbunden?
  • Können die Zahlungsarten mit der Buchhaltung/dem ERP zusammenarbeiten?
  • Kann und möchte man sich um die Zahlungseingänge „unsicherer“ Zahlungsarten - etwa Kauf auf Rechnung oder Lastschrift - selbst kümmern? Sollen diese Aufgaben abgegeben werden?
  • Müssen die Zahlungsarten in allen Vertriebsgebieten identisch anboten werden oder sind regionale Unterschiede zu berücksichtigen?
  • Werden wiederkehrende Abo-Funktionen für die aktuellen oder künftigen E-Business-Angebote benötigt?

Vorgefertigte Plug-ins für den Shop

Nahezu alle Standard-Shopsysteme bieten Plug-Ins für die direkte Nutzung im Shop. Diese Plug-Ins integrieren sich in den Checkout-Prozess des Shops sowie des jeweiligen Shopsystems und können dazu genutzt werden, um schnell neue Zahlungsarten hinzuzufügen. Für SAP Commerce Cloud werden die sogenannten „Extensions“ im SAP-Appcenter bereitgestellt. Dort können nahezu alle PSP und Zahlungsarten direkt ausgewählt und eingebunden werden. Wichtig ist, dass beim Einsatz dieser Plug-Ins darauf geachtet wird, dass sie nicht versionsspezifisch sind und dass dafür ein professioneller Support angeboten wird.

Was bieten Payment-Service-Provider?

Leider kann ich euch im Rahmen meines Blog-Beitrags keinen vollständigen Marktüberblick bieten. Da die Bündelung von Zahlungsarten jedoch eine der Hauptaufgaben von Payment-Service-Providern ist, habe ich die gängigsten Zahlungsarten zusammengestellt und nenne euch die wichtigsten Punkte, die ein PSP leisten kann:

  • Kredit-/Debitkarte: Der PSP kann Verträge mit den weltweit gültigen oder gegebenenfalls auch regionalen Besonderheiten anbieten.
  • Banküberweisung: Der PSP kann den Zahlungseingang bei Vorkasse prüfen.
  • Rechnung: Der PSP kann bei Rechnungsstellungen, beim Eingang von Zahlungen und bei der Nachverfolgung von Zahlungsausfällen unterstützen.
  • Lastschrift: Der PSP kann für ordnungsgemäße, SEPA-konforme Abbuchungen vom Kundenkonto sorgen.
  • Vorkasse: Der PSP kümmert sich um die ordnungsgemäße Überweisung durch Zahlungsmethoden wie paydirekt, Giropay oder Sofortüberweisungen und kann auch Zahlungseingänge auf verbundenen Konten prüfen.
  • Nachnahme: Der PSP kann direkt die Nachnahme mit Zustellungsunternehmen – etwa der Deutschen Post – vereinbaren.
  • Prepaid: Der PSP kann Prepaid-Karten zur Zahlungsabwicklung integrieren.
  • Handyrechnung: Der PSP kann sich um die Abrechnung und Sicherstellung der Zahlung über die Handyrechnung der Kunden kümmern.
  • E-Wallet: Der PSP kann die verschiedenen E-Wallets – etwa Google Pay, Apple Pay, Paypal, WeChat Pay oder Alipay – integrieren.
  • Sonstige: Der PSP kann spezielle und regionale Zahlungsarten wie Barzahlen.de oder andere Offline-basierte Zahlungsmethoden anbieten.

Weitere Vertriebskanäle und Dienstleistungen

Bisher lag der Fokus auf reinen Online-Bezahlanforderungen, aber viele Payment-Service-Provider sind in der Lage auch weitere Vertriebskanäle abzudecken. Dazu gehören:

  • E-Commerce: Die Bezahlung für den reinen Online-Handel als „Normalfall“ für einen IPSP (Internet Payment Service Provider)
  • M-Commerce: Eine speziell für mobile Commerce nützliche Funktion für unterschiedliche Online-Plattformen – etwa die einfache mobile Adressverwaltung
  • In-App-Käufe: Integrationsmöglichkeiten direkt in einer App
  • Point of Sale (POS): Abrechnungsmöglichkeiten direkt am Point of Sale
  • Mobile Point of Sale (mPOS): Mobile Abrechnungsmöglichkeiten am Point of Sale
  • Post- oder Telefonbestellungen: Integration von Zahlungsmöglichkeiten per Telefon oder Brief

Neben der reinen Zahlungsabwicklung bieten viele PSP noch weiterführende Dienste an. Die Gängigsten hierbei sind:

  • Rechnungsverwaltung: Etwa die Rechnungserstellung, die Prüfung eingehender Zahlungen, das automatische Mahnwesen oder die Übergabe an Inkassofirmen
  • Adressprüfung/ Bonitätsprüfung: Die Prüfung der Adresse auf Richtigkeit und Bonität des Kunden
  • Chargeback Management: Die Verwaltung von Rückzahlungen bei Retouren oder Gutschriften
  • Factoring: Eine komplette Übernahme des Ausfallrisikos
  • Abo- und Ratenzahlungen: Die Möglichkeit, eine einmal eingerichtete Zahlungsmethode für wiederkehrende Zahlungen und/oder auf Raten zu verwenden

Ich hoffe, ich konnte euch einen Überblick über das durchaus komplexe Thema „Payment“ geben und die wichtigsten Fragen ansprechen und beantworten. Wenn ihr weitere Informationen zu diesem Thema oder sogar eine Analyse von bestehenden Payment-Landschaften sowie Empfehlungen für künftige Ausbaustufen benötigt, dann sprecht uns einfach an. Unsere Expertinnen und Experten unterstützen euch von der Analyse und Konzeption bis hin zur direkten Umsetzung und Integration.

Weitere spannende Themen aus der adesso-Welt findet ihr in unseren bisher erschienenen Blog-Beiträgen.

Dieser Beitrag ist auch im Blog der ARITHNEA GmbH erschienen.

Autor: Thomas Binder

Thomas Binder ist Senior Consultant bei der ARITHNEA GmbH.

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