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Lange Zeit haben Unternehmen ihre Anwendungslandschaften mit horizontal ausgerichteten Application Management Services (AMS)-Modellen betrieben: standardisierte Services, die quer über alle Branchen hinweg dieselben Prozesse und Technologien nutzten. Dieser Ansatz war effizient – solange die Anforderungen überschaubar blieben.

Heute sieht die Realität anders aus. Fachbereiche treiben technologische Innovationen aktiv voran, neue Geschäftsmodelle entstehen im Wochentakt, und regulatorische Anforderungen – gerade in Branchen wie Banking, Healthcare oder dem öffentlichen Sektor – werden immer komplexer. Horizontale AMS-Modelle können diese domänenspezifischen Anforderungen nicht mehr ganzheitlich abdecken. Was stattdessen gefragt ist: tiefes Branchenverständnis, kombiniert mit technologischer Exzellenz und einer End-to-End-Verantwortung über den gesamten Anwendungslebenszyklus.

Genau hier setzen moderne, vertikal integrierte AMS-Ansätze an – und GenAI wird dabei zum entscheidenden Beschleuniger.

GenAI in Application Management Services: Mehr als Automatisierung

Wenn man heute von GenAI in AMS spricht, denken viele zunächst an Chatbots oder automatisierte Dokumentation. Das greift zu kurz. Das eigentliche Potenzial liegt in der tiefen Integration intelligenter KI-Agenten in Betriebsprozesse – von der Fehlererkennung bis zur Deployment-Automatisierung.

Ein zentrales Beispiel ist das Incident Management: Anstatt, dass Mitarbeitende manuell Logs durchsuchen und Fehlerquellen identifizieren, analysieren autonome KI-Agenten Systemdaten semantisch, ermitteln die wahrscheinlichste Fehlerursache und stoßen automatisiert Workflows zur Behebung an. Was früher Stunden dauerte, geschieht heute in Minuten ohne menschliches Eingreifen. Die Mean Time to Repair (MTTR), also die durchschnittliche Zeit bis zur Behebung eines Problems, sinkt messbar.

Noch einen Schritt weiter geht das Prinzip des proaktiven Self-Healings: Moderne Plattformen erkennen erste Anzeichen von Engpässen, etwa einen ungewöhnlichen Anstieg des Speicherverbrauchs, und greifen ein, bevor vereinbarte Service Level Agreements (SLAs) überhaupt gefährdet werden. Ressourcen werden automatisch skaliert, Services präventiv neu gestartet. Ausfälle werden zur Ausnahme, nicht zur Regel.

Ähnlich verhält es sich bei der Deployment-Automatisierung: KI-gestützte Systeme prüfen Code-Änderungen, generieren Konfigurationen für Container-Umgebungen und steuern Deployment-Pipelines vollautomatisiert – inklusive der Erstellung technischer Release-Dokumentationen. Das Ergebnis sind schnellere Release-Zyklen und eine spürbar kürzere Time-to-Value, also der Zeit vom Entwicklungsbeginn bis zum produktiven Einsatz neuer Funktionen.

Schließlich übernehmen spezialisierte Agenten auch das Schwachstellen-Management: Sie beobachten kontinuierlich neu bekannt gewordene Sicherheitslücken, bewerten deren Relevanz für die jeweilige Systemlandschaft und liefern priorisierte Handlungsempfehlungen – proaktiv, nicht reaktiv.

Governance und Kontrolle: Was CIOs wirklich brauchen

Für CIOs ist die Frage der Kontrolle zentral. GenAI-Plattformen, die im AMS-Kontext eingesetzt werden, müssen Enterprise-Anforderungen erfüllen: rollenbasierte Zugriffsrechte, vollständige Audit-Logs, Zero-Trust-Prinzipien und die Möglichkeit, sensible Daten entweder on-premises oder in zertifizierten Cloud-Umgebungen zu verarbeiten.

Gerade in regulierten Branchen, egal ob Bankenaufsicht, Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) oder Anforderungen des Gesundheitswesens, ist das keine Kür, sondern Pflicht. Plattformen, die modular aufgebaut sind und verschiedene KI-Modelle (etwa von OpenAI, europäischen Anbietern oder kundeneigene Modelle) flexibel einbinden können, ohne dabei Schnittstellen oder Prozesse anpassen zu müssen, schaffen hier einen entscheidenden Vorteil: Sie verhindern Abhängigkeiten von einzelnen Technologieanbietern – sogenannte Vendor-Lock-ins – und ermöglichen gleichzeitig, den rasanten Fortschritt im KI-Markt kosteneffizient zu nutzen.

Für die CIO-Organisation bedeutet das in der Praxis: volle Transparenz über Kosten, Performance und Nutzungsgrade aller Services durch integrierte Dashboards, kombiniert mit einer kontrollierbaren KI-Schicht, die den Compliance-Anforderungen standhält.

Erfolge aus der Praxis: Was heute schon funktioniert

Theorie und Praxis klaffen gerade im KI-Bereich oft auseinander – deshalb lohnt der Blick auf reale Implementierungen. Bei der BayernLB etwa wurde ein GenAI-basierter interner Assistent eingeführt, der sensible Bankdokumente sicher in der unternehmenseigenen Cloud verarbeitet, Wissenszugriffe optimiert und dabei höchste Datenschutzanforderungen erfüllt. Das Ergebnis: weniger Suchaufwand für Mitarbeitende, schnellere Entscheidungsprozesse, nachweisbare IT-Entlastung – bei voller DSGVO-Konformität.

Ein weiteres Beispiel aus dem öffentlichen Sektor zeigt, wie ein KI-gestütztes Wissensmanagement bei ZAKB (Abfallwirtschaft) Fachfragen in Echtzeit beantwortet und Application Owner in die Lage versetzt, neue Anwendungsfälle deutlich schneller zu erschließen. Der modulare Aufbau sorgt dafür, dass künftige Erweiterungen ohne große Migrationsaufwände realisiert werden können.

ISG hebt in seiner Analyse hervor, dass genau dieser Ansatz – modulare Architektur, austauschbare KI-Modelle, strukturiertes Enablement – die Time-to-Value vom ersten Proof-of-Concept bis zum stabilen Produktivbetrieb erheblich verkürzt.

Der Blick nach vorne: Was CIOs jetzt angehen sollten

ISG identifiziert für die nächsten drei bis fünf Jahre klare Trendlinien: Event-getriebene Automatisierung wird sich als Standard durchsetzen. Governance und Kostenkontrolle (FinOps) werden zunehmend zu einem gemeinsamen Framework verschmelzen. Und Co-Innovation – also die enge Zusammenarbeit zwischen Dienstleister und Kunde in gemischten, ergebnisorientierten Teams – wird das klassische Anbieter-Kunde-Modell ablösen.

Für CIOs, die heute handeln wollen, empfiehlt ISG einen strukturierten Einstieg: Definieren Sie Ihr Zielbild, priorisieren Sie Use Cases auf Basis einer Reifegradanalyse, und starten Sie mit einem pilotierbaren Minimal-Viable-Scope. So lassen sich erste messbare Ergebnisse schnell erzielen, ohne das Risiko einer großen, unkontrollierten Transformation einzugehen.


Thought Leader Paper

Vertikalisierte Application Management Services

Gemeinsam mit dem Analystenhaus ISG zeigen wir in unserem Thought Leadership Paper, wie vertikalisierte Application Management Services genau diese Lücke schließen: Durch die Kombination aus tiefem Domänen-Know-how, einem Full-Stack-Betriebsmodell und moderner Automatisierung – inklusive GenAI-Unterstützung.

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Bild Andreas Roll

Autor Andreas Roll

Andreas verfügt über eine mehr als 20-jährige Erfahrung als Projekt- & Programm-Manager, Krisen- & Eskalations-Manager, SDL / SDM, sowie als Leiter mehrerer Geschäftsbereiche im Bereich Konzeption, Implementierung und Betrieb komplexer Client- / Server-Systeme im SAP- und Java Umfeld.

Kategorie:

KI

Schlagwörter:

GenAI

Application Management