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Vom Chatten zum Handeln: Wie sich Kundenservice gerade verändert

Du bist auf dem Weg zur Arbeit, Kopfhörer drin, erster Kaffee in der Hand. Während du dich auf deinen Tag vorbereitest, passiert im Hintergrund etwas, das du bisher aktiv hättest erledigen müssen: Dein Stromvertrag wird geprüft und optimiert.

Nicht durch dich. Sondern durch deinen digitalen Agenten.

Was nach Zukunftsmusik klingt, beschreibt ziemlich genau die Richtung, in die sich Kundeninteraktionen aktuell entwickeln: weg von manuellen Prozessen – hin zu automatisierten, aber kontrollierten Handlungen durch spezialisierte KI-Agenten.

Die Herausforderung: Komplexe Prozesse, geringe Interaktion

Energieversorger stehen vor mehreren strukturellen Herausforderungen:

  • Hohe Prozesskomplexität (Tarife, regulatorische Anforderungen, individuelle Verbrauchsmuster)
  • Geringe Kundeninteraktion außerhalb von Abrechnung oder Störung
  • Hoher Aufwand im Kundenservice (Hotlines, manuelle Anfragen, Medienbrüche)
  • Zunehmender Wettbewerb durch neue Anbieter und dynamische Tarife

Gleichzeitig erwarten Kundinnen und Kunden heute:

  • Proaktive Services
  • Transparenz über ihre Verträge
  • Einfache und schnelle Anpassungsmöglichkeiten
  • Digitale, nahtlose Interaktion

Die klassische Antwort darauf – Apps, Kundenportale oder Chatbots – stößt zunehmend an ihre Grenzen. Denn sie bleiben reaktiv.

Der Lösungsansatz: Agent-to-Agent-Kommunikation

Ein möglicher nächster Schritt ist die direkte Interaktion zwischen zwei spezialisierten Systemen:

  • Ein Kundenagent (I Agent), der im Sinne der Nutzerin oder des Nutzers handelt
  • Ein Unternehmensagent (E Agent), der die Systeme des Energieversorgers repräsentiert

Diese Agenten kommunizieren direkt miteinander – auf Basis klar definierter Regeln, Schnittstellen und Berechtigungen.

Ein mögliches Szenario

Zur Veranschaulichung ein stark vereinfachtes Beispiel:

  • Der Kundenagent erkennt Optimierungspotenzial im Stromvertrag
  • Er fragt beim Agenten des Energieversorgers verfügbare Optionen an
  • Der Unternehmensagent prüft Tarife, Bundles oder Zusatzleistungen
  • Die Vorschläge werden dem Kunden zur Freigabe vorgelegt
  • Erst nach Zustimmung erfolgt die Umsetzung

Der entscheidende Punkt: Es wird nicht nur kommuniziert – es wird gehandelt. Aber immer unter Kontrolle der Nutzerin oder des Nutzers.

Technologische Einordnung: Was ist ein „Agent“ wirklich?

Wichtig ist die Einordnung: Ein Agent ist kein autonomes „Black Box“-System. Die zugrunde liegende Struktur ist vergleichsweise nüchtern:

LLM + Tools + klar definierte Aufgabe = Agent

  • LLM (Large Language Model): Versteht und generiert Inhalte
  • Tools / APIs: Greifen auf Backend-Systeme wie CRM, Billing oder Vertragsmanagement zu
  • Orchestrierung: Steuert Abläufe, Entscheidungen und Interaktionen

Gerade im Energieumfeld bedeutet das:

  • Integration in bestehende Systemlandschaften
  • Nutzung vorhandener Schnittstellen
  • Erweiterung durch eine Orchestrierungsschicht für Agentenlogik

Governance als Erfolgsfaktor: Warum Kontrolle entscheidend ist

Ein zentraler Aspekt bei der Einführung solcher Agenten ist Vertrauen. Und Vertrauen entsteht nur durch klare Regeln.

Deshalb gilt: Governance by Design statt Governance als Nachgedanke.

Das umfasst unter anderem:

  • Klare Berechtigungsmodelle (Lesen vs. Schreiben)
  • Zweckgebundene Datennutzung
  • Vollständige Protokollierung aller Aktionen
  • Explizite Freigaben für jede Änderung
  • Transparenz für die Nutzerinnen und Nutzer

Gerade in der Energiewirtschaft – mit sensiblen Vertrags- und Verbrauchsdaten – ist das kein „Nice-to-have“, sondern Voraussetzung.

adesso als Partner zur Umsetzung

Die Umsetzung solcher Agentenszenarien ist keine theoretische Zukunftsvision, sondern lässt sich bereits heute schrittweise realisieren.

Typische Bausteine im adesso-Kontext sind:

  • Systemintegration: Anbindung von CRM-, Billing- und Service-Systemen
  • API-Management: Bereitstellung standardisierter Schnittstellen
  • Orchestrierungsplattformen: Steuerung von Agentenprozessen
  • GenAI-Komponenten: Integration von Sprachmodellen in bestehende Prozesse
  • Governance-Frameworks: Umsetzung von Sicherheits- und Compliance-Anforderungen

adesso unterstützt Energieversorger dabei, genau diese Bausteine sinnvoll zu kombinieren – und bestehende Prozesse schrittweise in Richtung agentenbasierter Interaktion weiterzuentwickeln.

Chancen und Grenzen

Vorteile
  • Deutliche Entlastung im Kundenservice
  • Proaktive Kundenansprache statt reaktiver Bearbeitung
  • Höhere Kundenzufriedenheit durch Komfort und Transparenz
  • Effizientere Nutzung bestehender Daten und Systeme
Herausforderungen
  • Integration in bestehende IT-Landschaften
  • Sicherstellung von Datenschutz und Compliance
  • Akzeptanz auf Kundenseite
  • Klare Definition von Verantwortlichkeiten zwischen Menschen und System

Agenten sind kein Selbstläufer. Ihr Mehrwert entsteht nur dann, wenn sie sinnvoll in Prozesse eingebettet sind.

Fazit: Vom Demo-Case zur echten Wirkung

Agent-to-Agent-Kommunikation hat das Potenzial, den Kundenservice in der Energiewirtschaft grundlegend zu verändern.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • 1. Automatisierung ersetzt nicht die Entscheidungshoheit der Kundinnen und Kunden
  • 2. Der Mehrwert entsteht durch Integration in echte Geschäftsprozesse – nicht durch isolierte Anwendungen
  • 3. Governance und Transparenz sind zentrale Erfolgsfaktoren

Oder anders gesagt: Wer Agenten nur kommunizieren lässt, bekommt interessante Demos.

Wer sie kontrolliert handeln lässt, schafft echten Mehrwert.


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Bild Jonas  Vöhringer

Autor Jonas Vöhringer

Jonas Vöhringer ist Account Executive in der Business Line Utilities bei adesso. Als erfahrener Account Manager in der Energiebranche verbindet er seine Leidenschaft für digitale Innovationen mit den spezifischen Anforderungen der Energiewirtschaft. Sein Fokus liegt auf der Gestaltung der digitalen Energiewende und der Übersetzung aktueller Trend- und Technologiethemen in praxisrelevante Lösungen.